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beyond korean non-sense

Narben des Fortschritts

Zementwerke, Planierraupen, gerodete Hänge – riesige Infrastruktur-Bauten reissen derzeit an vielen Orten in Laos riesige Löcher in eine sonst paradiesische Landschaft. Warum die 13 North nie mehr dasselbe sein wird.

Eigentlich gibt es genug Gründe, nach Vang Vieng zu reisen. Doch der Ort, der in den vergangenen Jahren für Horden besoffener Backpacker, Tubing und sonstige üblen Auswüchse des Rucksack- und des Massentourismus bekannt geworden ist, bleibt irgendwie ein rotes Tuch. Man darf dem Ort, der rund zwei Autostunden von der laotischen Hauptstadt Vientiane entfernt am Nam Song liegt, aber nicht Unrecht tun: die Landschaft rund um um Vang Vieng bezaubert mit eindrücklichen Karstfelsen, palmengesäumten Feldern, Höhlen und vielfältigen Erholungs- und Ausflugsmöglichkeiten. Wir sind allerdings nur auf der Durchreise hier.

Vang Vieng – wir sind nur auf der Durchreise. Ok, eine Nacht bleiben wir.

Denn Vang Vieng ist und war für uns immer Ausgangspunkt für einen der besten und unvergesslichsten Roadtrips quer durch Laos. Ausgehend von den Karstlandschaften um Vang Vieng, kurvenreich durch malerische, von Reisfelder durchzogene Täler, vorbei an üppigem Grün und abgelegenen Hmong-Dörfern, hinauf zum Phou Khoun Pass – der bekannt ist für sein unvergessliches Panorama. Wir vermuten bereits, dass es für lange Zeit das letzte Mal sein wird, dass wir diese Strecke unter die Räder nehmen.

Die Magie wird aktuell nachhaltig zerstört

Die Magie, die von dieser Strecke ausgeht, wird aktuell nachhaltig zerstört. Quer durch das Tal, in dem auch Vang Vieng liegt sowie entlang der Strecke bis hinaus nach Luang Prabang wird derzeit mit kräftiger Unterstützung der Chinesen eine Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke gelegt. Diese soll dereinst China mit Thailand verbinden und ist Teil der 500 Milliarden schweren Bestrebungen Chinas, die Seidenstrasse über zwei Achsen wieder aufzubauen und zu beleben.  

Die Bautätigkeit führt nicht nur zu mehr Lastwagen-Verkehr, es schiessen auch überall Baufelder, Zementwerke und andere Infrastruktur-Bauten der hässlichen Sorte aus dem Boden. Dieses riesige Infrastruktur-Projekt mit seinen Dutzenden Tunnels reisst derzeit überall unübersehbare Wunden in die eigentlich zauberhafte Berglandschaft.

Eine der Dutzenden Narben, die China aktuell in die Berglandschaft von Laos Norden schlägt.

Am Ende ist die Fahrt aber auch diesmal für ein paar Überraschungen gut, gute wie schlechte…

Lastwagen kämpfen sich mit Tempo 10 die steilen Hänge hinauf, da und dort überrascht uns ein leicht verschütteter Strassenabschnitt, eine Mannschaft mit Teerwagen benetzt ganze Abschnitte und schüttet Löcher mit Kies zu (Strassensanierungen waren hier bislang kaum ein Thema) – ja sogar Strassenwalzen und Bagger, die kilometerlange Pisten planieren, verkommen uns unterwegs.

All zu arge Überraschungen, etwa komplett verschüttete Strassenabschnitte, bleiben uns diesmal erspart. Und auch der Verkehr ist merklich schwächer als früher, da es eine neue Passstrasse zwischen Vang Vieng beziehungsweise Kasi nach Luang Prabang gibt. Umso mehr schmerzen uns aber die Baustellen, die sich während der ganzen Fahrt an den Flanken der Berghänge zeigen. Bleibt zu hoffen, dass die Baunarben wieder in dickem Grün verschwinden, wenn die Bahntrasse erst einmal erstellt ist.

Nach sieben kurvenreichen Stunden tuckern wir mit der späten Nachmittagssonne schliesslich Luang Prabang entgegen – der ehemaligen Königsstadt zwischen Mekong und Nam Khan.

Luang Prabang – wo einst Könige und Millionen Elefanten regierten.

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